23.03.2023

Positive Bewertung: Förderbedingungen für die Stadt-Umland-Bahn haben sich deutlich verbessert

Die Bewertungskriterien des Bundes zur Förderung von Projekten des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) haben sich geändert. Für das Straßenbahnprojekt „Stadt-Umland-Bahn“ (StUB) wird ein deutlich höherer Nutzen prognostiziert als bislang angenommen. Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (ZV StUB) untersucht nun, welche Auswirkungen sich daraus für die weitere Planung ergeben.

Pressemitteilung (PDF)

Mit der Weiterentwicklung der „Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im öffentlichen Personennahverkehr“ hat der Bund die Bewertungskriterien für eine Förderung von ÖPNV-Projekten geändert. Das betrifft auch das Straßenbahnvorhaben „Stadt-Umland-Bahn“, das als eines von zwölf ausgewählten Beispielprojekten für den Bund testgerechnet wurde. Das Ergebnis: Der im Jahr 2019 ermittelte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) von 1,1 für die Vorzugstrasse hat sich auf einen vorläufigen Wert von 2,2 erhöht. Damit läge das Projekt „StUB“ nun deutlich über dem Mindestwert von 1,0 für eine Förderung durch den Bund. „Das sind sehr gute Nachrichten für unsere drei Städte und die Region. Mit diesem NKI wären Förderung und Finanzierung der StUB gesichert. Die Ergebnisse bestätigen uns in unserer Überzeugung, dass die Stadt-Umland-Bahn der richtige Impuls für die Verkehrswende und ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz in der Region ist. Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Dr. Florian Janik, Verbandsvorsitzender des Zweckverbands Stadt-Umland-Bahn. Optimierungen der Streckenführung, die seit 2019 erfolgt sind, und eine Erweiterung durch das Schwabachtal („Ostast“) wurden bei der Bewertung noch nicht berücksichtigt.

Maßgabe aus dem Raumordnungsverfahren

Die aktuelle Linienführung der Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach basiert auf der sogenannten Vorzugstrasse, die im Raumordnungsverfahren 2020 als raumverträglich beurteilt wurde. Ein sensibler Bereich dieses Streckenverlaufs ist die Querung des Erlanger Regnitzgrundes auf Höhe der Wöhrmühlinsel. Alternative Querungen im Bereich der Bestandsdämme „Büchenbacher Damm“ und „Dechsendorfer Damm“ wurden damals von der Regierung von Mittelfranken als zuständige Landesplanungsbehörde mit „großer Wahrscheinlichkeit [als] unwirtschaftlich“ beurteilt. Sollten sich jedoch die Bewertungsgrundlagen ändern, wären auch die Alternativen erneut zu betrachten.

Auswirkungen auf alternative Querungen

„Wir haben versprochen, bei der Aktualisierung der Nutzen-Kosten-Untersuchung auch die alternativen Querungen im Bereich der beiden Bestandsdämme noch einmal genau zu betrachten. Dieses Versprechen lösen wir nun ein. Daher haben wir auch diese Varianten berechnen lassen“, sagt Mandy Gutt-zeit, Geschäftsleiterin des ZV StUB.

Die Grundlage hierfür bildet wiederum der Planungsstand von 2019. Mit jeweils einem voraussichtlichen Wert von 1,7 würde der NKI für eine Querung im Bereich „Büchenbacher Damm“ bzw. „Dechsendorfer Damm“ nun ebenfalls deutlich über 1,0 liegen. Damit wären auch diese Lösungen grundsätzlich förderfähig. „Seit 2019 haben sich die Rahmenbedingungen für die StUB an vielen Stellen geändert. Daher sind diese Werte nur als erste Näherungen zu betrachten. Um eine belastbare Aussage treffen zu können, nehmen wir die Untersuchungen für eine alternative Querung nun wieder auf. Da die Variante ‚Dechsendorfer Damm‘ in der planerischen Abwägung bisher jedoch immer hinter der Alternative ‚Büchenbacher Damm‘ platziert war und wir aktuell weiterhin kein Verbesserungspotenzial sehen, betrachten wir diese Querungsmöglichkeit zunächst nicht weiter, um die Planungen zeitlich nicht wesentlich zu verzögern“, erklärt Dr. Stefan Opheys, Technischer Leiter des Zweckverbands Stadt-Umland-Bahn.

Brücke auf Höhe der Wöhrmühlinsel bietet größte Vorteile

Neben dem NKI spielen in der Abwägung auch die bekannten Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten eine wichtige Rolle. Während die deutlich längere Streckenführung über den „Büchenbacher Damm“ eine größere Erschließung bietet und das Landschaftsbild im Regnitzgrund weniger beeinflusst, bietet eine Brücke auf Höhe der Wöhrmühlinsel insbesondere die größte Verlagerung vom Autoverkehr auf den ÖPNV sowie deutliche Verbesserungen für das Busnetz aus dem Erlanger Westen in die Innenstadt. Auch die kürzeste Reisezeit wäre über diese Brücke gegeben. „Die StUB ist eine umweltfreundliche und insbesondere leistungsfähige Verkehrsalternative für unsere Region. Für die große Zahl an Pendlerinnen und Pend-lern, wie wir sie auch in Herzogenaurach haben, wird sie jedoch vor allem dann attraktiv, wenn man mit der StUB schlicht schnell von A nach B kommt“, sagt Dr. German Hacker, Erster Bürgermeister der Stadt Herzogenaurach. Um die Reisezeit für Fahrgäste von und nach Herzogenaurach im Vergleich zur aktuell geplanten Streckenführung nicht zu verschlechtern, wird die Variante „Büchenbacher Damm“ daher mit der sogenannten „Büchenbacher Spange“ geprüft. Dabei handelt es sich um einen zweiten Ast im Erlanger Westen, der südlich von Büchenbach über den „Adenauerring“ geführt wird und über den eine direkte Verbindung nach Herzogenaurach möglich wäre.

Bei der Berechnung des NKI wird nun auch der CO2-Ausstoß aus dem Strecken- und Fahrzeugbau berücksichtigt. „Zwar ist auch dieser Wert nur als grobe Schätzung zu sehen, da ohne finalen Planungsstand nur Durchschnittswerte für zum Beispiel benötigte Ingenieurbauwerke wie Brücken berücksichtigt werden können. Was wir an dieser Stelle aber bereits sagen können: Bei der Herstellung von Pkw, die es ohne die StUB pro Jahr bräuchte, wird voraussichtlich doppelt so viel CO2 emittiert wie beim Bau der StUB – umgerechnet auf die Nutzungsjahre – ausgestoßen wird. Hinzu kommen noch die Einsparungen durch die Verlagerung des Pkw-Verkehrs auf den ÖPNV während des Betriebs. Erste Berechnungen haben eine Amortisationszeit von voraussichtlich deutlich unter 20 Jahren ergeben“, erklärt Daniel Große-Verspohl, Kaufmännischer Leiter des ZV StUB.

Die nächsten Schritte

In den kommenden Wochen und Monaten wird der ZV StUB eine Machbarkeitsstudie für eine Querung des Regnitzgrundes im Bereich des „Büchenbacher Damms“ durchführen. Das Ergebnis soll zum Ende des Jahres vorliegen. Ziel ist es, auf Basis der Erkenntnisse die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen, um eine finale Entscheidung zur Querung treffen zu können. Darüber hinaus sollen für die verschiedenen Szenarien belastbarere Nutzen-Kosten-Indikatoren ermittelt und die Auswirkungen der Stan-dardisierten Bewertung 2016+ auf den Ostast untersucht werden.

In der Zwischenzeit gehen die Planungen zur aktuellen Linienführung weiter, wobei der Streckenabschnitt von Nürnberg bis zum Erlanger Bahnhof priorisiert wird.

Auswirkungen auf den zeitlichen Horizont

Aufgrund der erneuten Prüfung einer Streckenführung mit Querung des Regnitzgrundes im Bereich des „Büchenbacher Damms“ hat der ZV StUB den Zeitplan für das Projekt aktualisiert. Nach aktuellem Stand sollen die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren ab 2025 eingereicht werden. Ab Mitte 2028 könnte dann abschnittsweise mit dem Bau ab Nürnberg begonnen werden. Die sukzessive Inbetriebnahme soll anschließend ab 2031 erfolgen. Bei einer Entscheidung gegen die Querung auf Höhe der Wöhrmühlinsel würde sich der voraussichtliche Baubeginn um mindestens drei Jahre nach hinten verschieben.

Im Dialog

Am Mittwochabend, 22. März 2023, hat der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn die Auswirkungen der Standardisierten Bewertung 2016+ auf das Straßenbahnprojekt in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen der Öffentlichkeit präsentiert. Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Organisationen nahmen an der Informationsveranstaltung vor Ort und per Livestream teil.

Ein aktueller Zwischenstand soll am Dienstag, 27. Juni 2023, präsentiert werden. Beim 13. Dialogforum lädt der ZV StUB zum gemeinsamen Dialog über offene Fragestellungen ein. Weitere Informationen zur Veranstaltung werden zeitnah bekannt gegeben.

Allgemeine Fragen zur Stadt-Umland-Bahn beantworten Mandy Guttzeit, Daniel Große-Verspohl und Dr. Stefan Opheys einmal im Monat während der „Digitalen Fragestunde“. Der nächste Termin findet am Mittwoch, 26. April 2023, von 19 Uhr bis 20 Uhr statt.

Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn

Der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn (ZV StUB), mit seiner Geschäftsstelle in Erlangen, ist für die Planung, den Bau und Betrieb der StUB zuständig. Mitglieder des ZV StUB sind die drei Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach. Verbandsvorsitzender ist derzeit Dr. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen. Bei der Stadt-Umland-Bahn handelt es sich aktuell um eines der größten Straßenbahnprojekte in Deutschland. Auf einer 26 Kilometer langen Strecke soll die StUB Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach im 10-Minuten-Takt verbinden.

Die Standardisierte Bewertung 2016+

Seit 2022 ist eine neue Version („2016+“) der „Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im öffentlichen Personennahverkehr“ (ÖPNV) Grundlage für den Nachweis der Wirtschaftlichkeit nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG). Diese liefert grundlegende Bewertungskriterien, die für eine Bundesförderung von ÖPNV-Projekten maßgeblich sind. Ziel des Bundes ist es, damit den Weg für mehr ÖPNV-Projekte zu ebnen, um die Verkehrswende weiter voranzutreiben.

Kontakt

09131 / 933 084 0 info@stadtumlandbahn.de